das wiederfinden der Freude …

morgenrosa am himmel über st. johann
ein neuer Tag beginnt, und mit ihm die Zuversicht ...

wenn Menschen in die Beratung kommen und erzählen sie hätten ihre Freude verloren,

sie könnten sich über rein gar nichts mehr freuen, ich empfinde das als schlimm, sehr schlimm.
Verlorenes Freudegefühl schmerzt.

Macht traurig, bitter und erschöpft Körper, Geist und Seele.

Ich kann mitfühlen, weil ich diese Gefühle und ihre Folgen kenne, sie selbst erlebt habe.
Es gab eine Zeit da hatte ich alles, was ich nicht zum Leben brauchte. Konnte mir kaufen was ich wollte, lebte Sorgenfrei und ohne Nöte.
Irgendwann gab es den Moment in dem ich merkte, ich kann mich nicht mehr freuen.
Sicher, während ich mir irgendwas kaufte oder ich bekam was ich wollte, spürte ich etwas.
Doch das war nicht gefreut.
Ich war befriedigt, aber nicht zufrieden.
Befriedigt ist, wenn ein gestecktes Ziel erreicht wurde, zufrieden ist, sich damit wohlzufühlen.
Mit dem erkennen meines verlorenen "sich freuen können", begann die innere Leere.

Ein scheußliches Gefühl!

Sich richtig aus vollem Herzen freuen können … könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, als ihr Kinder wart?

Ein Beispiel:

das sehnlichst, zum Geburtstag gewünschte Fahrrad, endlich war es da!
Welch eine Freude.
Ein hopsen, springen und gejubel … und jedes Mal wenn man das Rad sah oder benutzte,
man hätte platzen können vor lauter Freude!

Noch ein Beispiel:

Heilig Abend ... die Erwartung, das hinter der Tür lauschen um zu hören was das Christkind bringt.
Ob es das Gewünschte war? 

Und dann, wenn das Glöckchen klingelte, dann durfte man ins Zimmer.
Der Geruch des Tannenbaums, die vielen Kerzen, ein Gefühl wie Andacht …
- obwohl kaum ein Kind weiß was Andacht ist - weil, Kinder sind fühlen.
Und dann, endlich, durfte man die Päckchen öffnen.

Und da war es dann, das Geschenk …
Das ersehnte, erwünschte, erhoffte, es war da!
Keine Decke war hoch genug, um vor lauter Glückseligkeit in die Luft zu springen
und sich nicht den Kopf an ihr zu stoßen.
Welch eine Freude, Begeisterung und fast schwindelig werden vor Wonne, vor Glück.

Das Christkind hatte das heiß ersehnte gebracht!
Und selig nahm man das Geschenk mit ins Bett – ich zumindest.

Erinnert ihr euch noch an das Gefühl?
Freude, unbändige Freude, die nach außen platzt!
Als Erwachsener freut man sich anders, stiller, in sich gekehrter, doch ein klein wenig

spürt man im Herzen noch von dieser Kinderfreude.

Wenn nun das Freu-Gefühl verschwindet,

hat das nicht nur mit verlorenem Überfluss zu tun.

schlehdornzweige vor fahler wintersonne
Kälte, die man sehen kann ...

Manchmal gibt es Zeiten, da macht das Leben eine Kehrtwende. Man erlebt Abstürze, Zusammenbrüche, sei es gesundheitlich, beruflich oder einfach nur Verluste im privaten Bereich, die sehr schmerzen.
Zum Beispiel, wenn Vertrauen wegbröckelt, weil man erlebt, wie man hintergangen wurde. Das tut weh und man zieht sich in sich selbst zurück.
Bricht aus lauter Schmerz Kontakte ab, in vielen Richtungen, weil das Misstrauen eine große Rolle spielen darf.
Und plötzlich ist man - allein.
Man fühlt sich einsam, vergessen und verloren.
Der Mensch wird bitter, verändert sich, ist nicht mehr er selbst.

Misstrauen, Verletzungen das sind Themen, die in Praxis-Gesprächen auftauchen.
Es ist schlimm zu hören, wie wenig Freude, Lebensfreude manchmal noch vorhanden ist.
Doch mit allem lässt sich irgendwie umgehen, man kann das mit Geduld und Ausdauer lernen.

Doch oft steht an erster Stelle das verlorene freuen. Man spürt innere Leere,

wenn man es vermisst. Und diese Leere ist kalt, bitterkalt, kein heißer Tee hilft, keine Heizung, die Kälte bleibt.

Dann kommt Angst hinzu, weil man merkt, wie man sich verändert.

Wir bauen während der Sitzungen viel gemeinsam auf und mit jeder Behandlung
geht es ein Schrittchen vorwärts,
Wenn die Angstgefühle an Kraft verlieren, dann beginnt der Glauben an sich selbst.
Daraus wächst das Selbstvertrauen
Zuversicht gewinnt an Stärke und innere Wärme entsteht.

Mein Lebensmotto Ist: alles Negative hat auch eine positive Seite.

Das versuche ich zu vermitteln.

Denn erst wenn die innere Ruhe wieder an Kraft gewinnt, dann spürt man - jetzt bin ich ich.
Pur, rein und ohne Schnörkel.
Und ich beginne von vorn, auf ein Neues, und ich schaffe es.

In der Nullzeit dazwischen, da lernt man aufzubauen.
Wenn Enttäuschung, verletzte Gefühle oder Angst keine Rolle mehr spielen,
dann besinnt man sich - auf sich selbst.

Wir finden am ehesten Trost in der Natur, dort kann man Kraft schöpfen.

weg durch den nebel in den sonnenaufgang
am Ende de Weges ist Licht ...

Zu Beginn der Nullzeit läuft man wie blind durch Wald, Wiesen oder über Felder.
Man sieht – nichts.
Ist mit sich und seinem Schmerz beschäftigt, weint, schreit oder schimpft laut.

Doch nach der Erschöpfung kommen die ersten Momente …
stehen bleiben, tief durchatmen, sich vom Wind durchpusten lassen …
ein klitzekleines wohlfühlen entsteht, der Kopf ist frei, das Kopfkino hat Feierabend.

Erst ist es ganz zaghaft ...
aber man fühlt etwas anderes als zuvor, etwas fremdes, lange nicht gespürtes.
Das ist schön, so schön.
Und ganz winzig entsteht:
Freude.
Ein Miniflämmchen des Freuens und das wiederum erzeugt Glück.
Und man kehrt nach Hause zurück und fühlt sich besser.

Es sind kleine, zwergenhafte Schritte in die Veränderung.
Aber es sind bleibende Schritte und sie werden grösser.

Bis irgendwann Momente von Mut, Vertrauen und Zuversicht auftauchen.
Und man wieder anfängt zu leben, und nicht nur zu existieren.
Ein so gutes Gefühl!

Doch man hat sich verändert.
Man hat gelernt, dass es die Kleinigkeiten des Lebens sind, die Kraft geben.
Und man hat gelernt, sich darüber zu freuen, anders zu freuen.

Keine Gegenstände die man sich kaufen muss, nein. Geschenke des Freuen sind täglich um uns herum.
Wer mit offenem Herzen und klarem Blick durch das Leben geht, wird ständig schöne Dinge sehen und sich daran oder darüber freuen.

Ein Sonnenauf oder -untergang, ein Schmetterling der vorbeiflattert, ein schöner Stein,
der vor den Füssen liegt, den man aufhebt, in der Hand hält und ihn fühlt.
Oder einfach nur das dasitzen und sich genießen.
Ohne alles oder mit einer Tasse Kaffee oder einem Becher Tee ...
es schmeckt ganz anders, wenn man sich diesen Genuss bewusst auf der Zunge zergehen lässt, seine Sinne spürt und sich an ihnen freuen kann.

weg durch wiesen mit einzelnen bäumen bei st. johann schwäbische alb
Heilerin Natur ...

All das Schöne und Gute, das uns stärkt und Kraft gibt, kann man durch und mit der Natur erleben lernen.
Sie ist die größte Heilerin, den ich kenne.
Die Natur hat immer Zeit, sie hat immer Geduld und sie ist immer da.
Und jeden von uns, ohne Ausnahme, heißt sie von Herzen willkommen.

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