Tannenspitzenhonig,
ein unkompliziertes Rezept für die Gesundheit und alle Sinne.
Vor Jahren schon habe ich ein wunderbares, altes Rezept entdeckt – den Tannenspitzenhonig. Als ich Ende Mai meinen Honig zubereitet habe, dachte ich:
»Warum das Rezept nicht auch an andere weitergeben?« Der Honig schmeckt absolut lecker, hilft sehr gut und schon das Vorbereiten schenkt so viel Freude und
Wohlfühlen und man braucht wirklich nur ganz einfache Zutaten.
Eine davon ist ein wunderbarer Waldspaziergang.
Eine weitere Zutat ist die Zeit, die man im Wald verbringt – Streicheleinheiten
für die Seele und das Gemüt. Und die nächste kommt uns Frauen ja schon mit unseren Genen entgegen – das Sammeln. In diesem Fall: Tannenspitzen.

Die Zutaten für zuhause sind dann nur noch die Küchengeräte. Fast jeder hat sie
schon. Man braucht einen schmalen, hohen Topf, eine große, flache Pfanne und
möglichst einen Holzkochlöffel. Dann die Tannenspitzen und der Krümelkandis,
das ist schon alles.
Aber Tannen, wie im Urrezept, sind hier oben auf der Alb nicht sehr häufig. Man
findet hier eher Kiefern und Fichten. Die frischen Triebe der Fichten gehen auch.

Die Fichtenspitzen enthalten ebenfalls viel Vitamin C. Sie wurden früher, wer es
noch weiß, auch heute als wirksames Mittel gegen die Frühjahrsmüdigkeit gekaut.
Ich hab's probiert, schmeckt gar nicht schlecht, ein bisschen säuerlich und sehr
intensiv. So wie ein Nadelwald riecht – waldig-grün.
Man kann die jungen Triebe auch als Gesundheitstee trinken, als Badezusatz
verwenden oder, wie in meinem Rezept, als Honigbrot genießen. Man kann ihn
auch anstatt Zucker in den Tee geben. Ebenfalls ist der Tannenspitzenhonig ein
supergutes Mittel gegen Husten.
Das Sammeln:
Die Spitzen der Fichten – bloß keine Kiefern, schmeckt schrecklich! – erntet man
ab Mitte/ Ende Mai, je nachdem, wie schnell die Natur ist. Dieses Jahr (2020) war
die Vegetation zeitig dran, es war schon im April sehr mild und warm und die Spitzen
waren früh zu sehen.
Aber man kann auch dann noch sammeln, wenn man nach
den Fichten Ausschau hält, die etwas im Schatten stehen. Da sind die Spitzen
später dran.
Aber bitte, nehmt Rücksicht auf die Natur, pflückt die Spitzen (ca. 3 cm lang) nur
von den unteren Zweigen und auch nur wenig von jedem Baum.
Die Zubereitung:
Man gibt etwa eine Doppelhandvoll Spitzen in einen schmalen, hohen Topf
(ich nehme einen Spaghetti- oder Milchtopf), drückt die Spitzen fest an und gießt
mit so viel Wasser auf, dass sie gut bedeckt sind. Insgesamt kocht man das Ganze
dreimal auf. Also aufkochen, bis es sprudelt, dann weg vom Herd.
Etwa 5 Min. warten, dann wieder aufkochen bis es sprudelt, 5 Min. warten und
dann noch ein letztes Mal aufkochen.

Den Topf bedeckt man mit einem gut schließenden Deckel oder einem Brett mit
Stein drauf, falls kein Deckel vorhanden. Der Topf sollte fest verschlossen sein.
Dann stellt man den Sud drei Tage lang in einen kühlen Raum (auf keinen Fall in
den Kühlschrank). Danach wird das Ganze durch ein feines Sieb in einen Messbecher gegossen. Die Triebe im Sieb werden mit dem Kochlöffel noch gut ausgedrückt. Im Messbecher sieht man, wie viel Flüssigkeit bleibt. Nun braucht man die gleiche
Menge abgewogenen Krümelkandis.
Den Sud gießt man in eine flache Pfanne und rührt den Krümelkandis ein.
Mit dem Kochlöffel rührt man den Honig, sprudelnd kochend wie Marmelade, etwa
10 bis 15 Minuten ständig um. Hebt den Kochlöffel immer wieder an, um zu sehen,
wie zäh der Honig abtropft.
Aber Achtung, sprudelkochender Honig spritzt heftig.
Wer es säuerlicher mag, kann zum Schluss noch ein Päckchen Zitronensäure mit
einrühren. Aber Obacht, dadurch verdickt sich der Honig. Anschließend wird der Tannenspitzenhonig in kleine – ist besser zum Verbrauch – heiß ausgespülte Gläser eingefüllt, Deckel drauf und fertig. Man lässt ihn gut abkühlen und dann heißt es:
Genießen!
Leider ist das Honigkochen eine Erfahrungssache, also nicht enttäuscht sein,
wenn es nicht so klappt. Auch bei mir ist es jedes Mal anders und ich koche ihn
jedes zweite Jahr. Aber auch wenn der Honig dünnflüssig ist, schmeckt er lecker.
Ist er sehr viel zu dünn, kippt man alles wieder in die Pfanne und rührt nochmal
sprudelnd kochend 5 bis 10 Minuten. Aber immer zuvor ganz auskühlen lassen.
Der Honig wird dicker, wenn er nicht mehr warm ist.
Dann noch eine Info, die ich wichtig finde.
Der Tannenspitzenhonig riecht, wenn man das Glas öffnet, ein bisschen nach
alten Socken. Also nicht denken, da ist was schiefgelaufen. Das ist so eine Eigenart
der Jungtriebe. Im Mund schmeckt man nichts davon, der Geschmack ist würzig.
So, wie der Wald riecht.
Der Honig ist aus meiner Kräuterapotheke nicht mehr wegzudenken.
Bei Hustenreiz, festsitzendem Husten, Heiserkeit oder einfach nur zum Genießen:
Einen gestrichenen Teelöffel voll langsam lutschen. Der Tannenspitzenhonig behält
dunkel aufbewahrt und gut verschlossen, seine Heilwirkung etwa 2 Jahre.
Wenn er kristallisiert, das Glas einfach in ein Wasserbad stellen und langsam erhitzen.
So wird der Honig wieder flüssig. Wenn man ihn nur zum Genuss mag:
Zucker schimmelt nicht und man kann ihn bis zum letzten Tröpfchen im Tee oder als Gaumenfreude nutzen.

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