Sagenhafter Holunder …

vor einem Hollerbusch soll man den Hut ziehen,

sagt eine alte Bauernweisheit.

Der Strauch ist heilig, unberührbar und der Hausgeist wohnt in ihm.

Wer ihn herausreißt oder verletzt, stirbt oder wird krank, sagt der Volksglauben.

Holunderbaum in einem alten Garten in Sonnenbühl
Holunderbaum, die Freude aller Bienen und Hummeln ...

In ländlichen Gegenden steht bei alten Gebäuden irgendwo auf dem Grundstück ein Holunderbusch. Oft knorrig und verwachsen, wirkt er magisch, geheimnisvoll und kündet von alten Bräuchen und abergläubischen Ritualen.

So ruft man die Holunderstaude immer noch an, die Muttergottheit in ihrer Entsprechung von Frau Holle oder anderen Namen, um bei Krankheiten oder Unfruchtbarkeit zu helfen.

Wenn ein Hollerbusch Haus und Hof beschützt, hat das Unheil keine Macht, hieß es. Solange er blühte und und gedieh, waren die Menschen und ihre Habe sicher. Dieser alte Brauch wurde wieder zum Leben erweckt, denn manchmal wird auch jetzt wieder Holunder am Haus gepflanzt, um sich so vor negativen Einflüssen zu schützen.

Und man hat die Apotheke direkt vor der Haustür, denn Blüten, Rinde und Beeren haben große Heilkraft.

Aber Achtung, eine alte Bauerweisheit sagt

"geht ein Holunder ein, so wird jemand in der Familie des Todes sein!"

Also pflegt ihn gut, euren Hollerbusch.

Auch einen Kinderreim gibt es, erinnert ihr euch?

Ringel Ringel Reihe, wir sind der Kinder dreie, wir sitzen unterm Hollerbusch und machen alle husch, husch, husch ...

alter Hag bei St. Johann mit Holunder, Weiß- und Schlehdorn
Holunderhecke

Die Zweige lassen sich angespitzt auch als Werkzeug benutzen, als Federkiel zum Schreiben oder zum Malen.

Früher nahm man den Beerensaft als Haarfärbemittel oder färbte Stoffe damit.

Und im Keller vertrieb der Geruch des Holunders die Mäuse.

Das glaube ich gern!

Wer einmal Holunderblüten getrocknet hat weiß, wie intensiv das riecht.

Holunderblüten mit grünen Blättern in der Sonne
Holunderblüte ...

Die Blüten verarbeite ich zu Tee.

Sie brauchen etwa 14 Tage, großzügig ausgelegt auf Zeitungspapier, bis sie ganz durchgetrocknet sind und müssen einmal täglich gewendet werden. Dann rebelt man die trockenen Dolden zwischen den Handflächen, um die Blüten von den Stielen zu trennen. Man kann den Tee entweder pur trinken oder nimmt sie, wie ich, als Beimischung für einen milden Haustee.

Den Holunderblütentee trinke ich ohne Zucker, Ziehzeit zwischen 3 und 5 Minuten, gern am Abend zur Entspannung. Er schmeckt leicht süßlich und hat ein feines Heuaroma, riecht oder schmeckt überhaupt nicht so unangenehm wie beim Trocknen.

Aus den frischen Dolden mache ich außerdem Holunderblüten-Gelee, schmeckt fantastisch!

Mein Rezept

1 Liter klarer Apfelsaft
ca. 10 Dolden ganz aufgeblühte Holunderblüten
1 Zimtstange
2 Stück Sternanis
1 ungespritzte Zitrone, mit Schale in Scheiben geschnitten

Man stellt den abgedeckten Topf zum Durchziehen 2 Tage in einen kühlen Raum.

Anschließend gießt man den Holunder durch ein Sieb ab, drückt die Dolden noch etwas aus und kocht den Saft mit Zimtstange, Sternanis und Gelierzucker nach Packungsangabe.
Vorsicht, schäumt sehr stark auf.

Wenn man in die gefüllten Geleegläser noch ein paar abgezupfte, frische Blüten gibt, hat auch das Auge beim Frühstück Freude!

Die geschlossenen Gläser beim Abkühlen immer wieder umdrehen, sonst sitzen die Blüten alle am Boden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0