Performance ... könnte man sagen

spiegelung der untergehenden sonne in einer fensterscheibe

… die Show des eigenen Lebens!

Wie wir sind, haben wir unseren Eltern abgeschaut.

Kindern sind schlau.

Sie schauen hinter die Kulissen, erkennen und wenn es gefällt, imitieren sie.

Mein Kind ist mein Spiegel.

Schaue ich meinem Kind zu, kann ich mich in seinen Handlungen, der Ausdrucksweise oder seinem Verhalten erkennen.

Bemerkt man nicht sofort ersten Moment und manchmal wird es einem nie bewusst.

Das Kind wird erwachsen, die Eltern verlieren die Vorbildfunktion, weil ihre Schwächen erkannt werden.

Andere Menschen sehen der/ die Jugendliche als Fehlerfrei und nun werden diese imitiert. Nicht unbedingt gewollt.
Sondern deshalb, weil dieser Mensch etwas hat, was man selbst nicht besitzt. Man bewundert ihn, wäre gerne auch so. Also kopieren, dann wirkt man gleich – denkt man.
Eine Kopie wird niemals das Original.
Dann bekommen diese jungen Menschen ebenfalls Kinder und das Spiel geht von vorne los, die Show des Lebens …

von kindern der lautertalschule gefertigte steinskulpturen

Wir alle spielen oder spielten mal mehr, mal weniger dieses Spiel, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen.
Oft sind Neid und Geltungssucht dabei, ein Zeichen von mangelndem Selbstwert.
Die Stärkung des kindlichen Selbstbewusstseins wurde zu wenig gefördert. Kaum jemand lässt dieses Spiel „Nachahmung“ aus.
Auch ich habe es nicht ausgelassenen, mehr zu scheinen als zu sein. Ist mir zwar nicht angenehm, das zu schreiben, aber ich stehe dazu.
Denn ich bekam die Chance mich zu verändern.

Heute bin ich ich selbst.

Mit allem was mir an mir gefällt und auch nicht gefällt.
Denn das bin ich, macht mich aus, macht mich authentisch.
Wie ich das verändern konnte? Durch meine Ausbildung zur Heilerin.
Nicht gleich an ersten Tag, oh nein, so schnell ging das nicht. Ich hatte ein zu gut entwickeltes Ego, das hat mich ausgebremst.
Meine Veränderung war viel subtiler, denn meine Ausbildung zog sich über viele Jahre hinweg. Die Heilertätigkeit an sich war nebensächlich für mich.
Ich hatte ja einen mich ausfüllenden Beruf.

Neugier war das, was in mir schlummerte. Das Wissen, dass da etwas in mir war, was entdeckt werden wollte. Etwas, das ich nicht orten konnte.
Seit ich denken kann, fühlte ich mich anders.
Nicht als jemand Besonderer, ich war einfach anders. Vielleicht weil ich anders dachte, handelte und aussah.
Ich erinnere mich gut. Es war im dritten Jahr, als meine Lehrerin mich zu Beginn des Semesters fragte:

„Dagmar sag mir, warum bist du hier?“

Ich sehe immer noch ihr liebes, stilles Lächeln.
Im ersten Moment wollte ich eine flapsige Antwort geben, mir fiel keine ein.
Dann kam ganz ganz tief aus meinem Herzen: „weil ich wissen will, wer ich wirklich bin“.
Und dann kullerten die Tränen …

baum- und wolkenspiegelung im wasser des blautopfs in blaubeuren bei ulm

Ich glaube, das war der Augenblick der Selbsterkenntnis, der Wahrheit und ehrlichsten Ehrlichkeit über mich selbst.
Und das, was ich ab diesem Moment in mir kennengelernt und was ich im Laufe der restlichen Ausbildung entdeckt habe, gefiel mir.
Natürlich nicht alles, auch ich habe meinen Keller.
Doch der gehört auch zu mir. Ab und zu räume ich dort auf, es gibt noch viel zu tun. Aber dazu muss ich gut gefestigt sein.
Es ist nun nicht so, dass ich in dauerhafter Zufriedenheit schwimme, manches hätte ich schon auch gerne wie … irgend jemand anders.
Das darf auch sein, denn ich verstehe mich ja. Es ist nur ein Wunsch, aber es muss keine Erfüllung geben. Die - würde nicht zu mir passen.

Als ich meinen Weg begann, war ich ganz tief unten, nichts stimmte mehr in meinem Leben.
Gut, ich war erfolgreich, hab viel Geld verdient, hatte mir in meiner Branche einen Namen erarbeitet, doch fehlte mir etwas.
Was, das habe mit der Frage die meine Lehrerin mir stellte, erkannt.
Ich! Ich fehlte mir. So einfach.
Man verliert sich immer wieder mal im Leben.
Und findet sich wieder.
Hat dazwischen vielleicht ein paar Federn gelassen.
Aber man kann neu beginnen und hat wieder eine grosse Portion Erfahrung, vielleicht auch ein Quäntchen Weisheit erlangt.

Der Weg zur inneren Zufriedenheit führt über Selbsterkenntnis und lässt dich authentisch werden.
Natürlich kann man weiterhin Vorbilder haben, nichts spricht dagegen.
Man wird sie respektvoll anerkennen, aber nicht mehr bewundern oder sie nachahmen.
Nur … man braucht sie immer seltener.
Wenn man erkannt hat, dass man sein eigenes Vorbild sein kann.
„Ich bin wie ich bin und ich bin richtig, so wie ich bin“.

grafftiti an einer hauswand der uni tübingen

Man muss nicht meinen Weg gehen um sich zu erkennen, es geht auch anders.
Doch ich glaube, man braucht dazu eine gewisse Abgeklärtheit im Leben.
Muss gelebt, erfahren und gestolpert sein.
Aufstehen - Wunden lecken - neu beginnen - weitergehen- gehört mit dazu.

ich finde, das hier ist ein guter Weg zu sich ...
Es lohnt sich, sich ab und zu mal zurückzuziehen und sein Leben zu reflektieren.
Sich zu fragen: „bin ich das, was ich sein will; fühle ich mich wohl mit mir; lebe ich mich oder bin ich nur eine Marionette der Anderen?“
Diese Art der inneren Einkehr hilft, sich ganz objektiv zu sehen.
Dabei ist es sehr sehr wichtig: ehrlich zu sich sein, nichts beschönigen, auch wenn es noch so schwer fällt.
„Ich bin wie ich bin und ich bin richtig, so wie ich bin“.

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